„Fit im Lesen – fit fürs Leben“

Konzept zur Steigerung der Lesekompetenz

Im Zuge aktueller Entwicklungen haben wir uns entschlossen, einen schulinternen Schwerpunkt auf die Förderung der Lesekompetenz zu legen.
Lesen im Lehrplan Deutsch (Lehrplan Deutsch, MSW, 2008)
Ziel ist es, den Schülerinnen und Schülern eine anregende Leseumgebung zu bieten, damit diese ihre Lesefähigkeiten entwickeln können. Über das genießende und interessengeleitete Lesen erhält das Lesen im eigenen Alltag eine positive Funktion. Die Schülerinnen und Schüler machen Erfahrungen mit unterschiedlichen fiktionalen Texten sowie Sach- und Gebrauchstexten Sie nutzen Lesestrategien, um das Verstehen von Texten und Medien zu intensivieren und verbinden das Gelesene mit ihrem Sach- und Weltwissen.

Der Bereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ gliedert sich in verschiedene Schwerpunkte:

  • Über Lesefähigkeit verfügen
  • Über Leseerfahrung verfügen
  • Texte erschließen/Lesestrategien nutzen
  • Texte präsentieren
  • Mit Medien umgehen

Was ist Lesen?

Lesen ist die Umsetzung von vereinbarten Schriftzeichen in Sprache. Diese Schrift- und Lautzeichen muss sich der Schüler im Schreib-/Leseprozess aneignen, um den Vorgang des „Rekodierens“ der „Rückübersetzung“ von Schriftzeichen in Laute zu beherrschen. Ohne die zweite Teilleistung des „Dekodierens“, der Sinnentnahme“ bleibt das Lesen allerdings reine „Lautaneinanderreihung“.

Beim Lesen und Verstehen eines Textes müssen vorher gewonnene Erfahrungen und Wissen aktiviert werden, um den Text zu entschlüsseln. Bei diesem Prozess, der zu sinnerfassendem Lesen führt, lassen sich aufsteigend und aufeinander aufbauend unterschiedliche Leestufen unterscheiden (Stufenmodell des Leseverständnisses nach PISA und IGLU):

  • Stufe 1
    – im Text einfache Informationen finden können
    – Inhalte nach genauer (oft wörtlicher) Fragestellung wieder erkennen
  • Stufe 2
    – einem Text gezielte Informationen entnehmen können – aus dem Text eine oder mehrere Informationen finden, obwohl die Fragestellung vom Wortlaut des Textes abweicht und sich diese Informationen in einer längeren Textpassage befinden
  • Stufe 3
    – kombinieren und rekonstruieren können
    – Informationen sowie Handlungsmotive und deren Hintergründe verknüpfen
    – Beweggründe für Handlungen erkennen und erschließen
  • Stufe 4
    – verknüpfen und schlussfolgern können
    – den Hauptgedanken herausarbeiten
    – aufbauend auf die Gesamtinformationen des Textes eigenständige Schlussfolgerungen und Interpretationen liefern (was würde geschehen wenn…)

 

Unser Lesecurriculum – die „Lesewelt Schule“

Schon seit einigen Jahren setzen wir nach und nach an unserer Schule ein Gesamtkonzept „Fit im Lesen – fit fürs Leben“ um, das ständig überarbeitet und ergänzt wird. Jeweils zum Schuljahresende erfolgt die Evaluation und entsprechende Veränderungen werden zum Schuljahresbeginn beschlossen.

Lesen im Unterricht

Lesen findet im Unterricht fast überall statt. Für die meisten Kinder ist „Lesen können“ ein höchst motivierendes Unterrichtsziel, verspricht es doch ein hohes Maß an Selbständigkeit in der Informationsbeschaffung, an Beschäftigungsmöglichkeit in der Freizeit und an Wissenserweiterung mit Hilfe von traditionellen (Bücher, Zeitschriften…) und modernen Medien (Internet). Schon von Schulbeginn an begegnen die Kinder Lesematerial, das altersangemessen ausgewählt und aufbereitet ist und ansprechend präsentiert wird. Egal ob der Arbeitsauftrag auf einem Arbeitsblatt, zunächst noch durch Bilder und Symbole unterstützt, später umfangreicher und mehrschrittig oder die Ganzschrift, die in der Klasse gemeinsam gelesen und durchgearbeitet wird, Lesen stellt immer eine enorme Anforderung dar, deren Beherrschen überaus lohnenswert ist.
Lesen im Klassenunterricht kann lautes Vorlesen und stilles „Für-sich-Lesen“ sein. Beide Formen haben ihre Berechtigung.
Damit möglichst viele Situationen entstehen, in den Lesen in den verschiedenen Formen stattfinden kann, sind die nachfolgenden Aspekte an unserer Schule fest verankert:

  • Gemeinsame Lesezeit / Lese-Scouts
    Einmal in der Woche (nach Klassen verschieden) nehmen alle, Kinder und Lehrer ein Buch zur Hand. Diese Lesezeit dient dem gemeinschaftlichen und dennoch individuellen Leseerlebnis eines Jeden.
    Die Kinder des ersten Schuljahres können auf die Hilfe von Lese-Scouts (Schülerinnen und Schüler aus der Klasse 4) zurückgreifen. Diese Tandems lesen dann gemeinsam innerhalb der Lesezeit. (Lese-Paten-Modell)
  • Lesemütter – Leseomas
    Während der Lesezeit schaffen Lesemütter und Leseomas die Möglichkeit, in Kleingruppen zu lesen und vorgelesen zu bekommen. Sie nutzen die freien Räumlichkeiten der Schule und entzerren so die große Schüleranzahl in der Klasse. Viele Kinder trauen sich im kleinen Rahmen eher, einen Text vorzulesen.
  • Klassenbücherei – Schülerbücherei für die ganze Schule
    Im Laufe der Jahre konnten wir Dank der regelmäßigen Unterstützung unseres Fördervereins eine beachtliche Anzahl von Büchern für die Klassenbüchereien anschaffen. Nach Rücksprache mit Schulkonferenz und Förderverein werden seit dem Frühjahr 2008 im Speicherzimmer eine Bücherei für alle Kinder unserer Schule eingerichtet, die von Eltern betreut wird. Die Ausleihe erfolgt immer freitags jeweils für eine Woche. Da der Raum recht gemütlich eingerichtet ist, kann man auch hier schon ein bisschen „schmökern“.
  • www.antolin.de
    Antolin ist ein innovatives Online-Portal zur Leseförderung von Klasse 1 bis 10. Es bietet Quizfragen zu Kinder- und Jugendbüchern, die die Schüler/-innen online beantworten können. Hierbei werden die Kinder auf ihrem Weg zum eigenständigen Lesen und in der Entwicklung der eigenen Leseidentität gefördert und gefordert. Mit Hilfe des persönlichen Online-Zugangs kann auch stets von zu Hause aus in antolin gearbeitet werden.
  • Büchereien & Buchhandlungen
    Es wird ein enger Kontakt mit den Büchereien im Umfeld geknüpft. Hierzu gehören Lesekisten und Veranstaltungen, wie z.B. das „Rheinische Lesefest Käpt’n Book“. So finden in unserer Schule in Kooperation mit der KÖB (katholischen öffentlichen Bücherei) St. Martin Rheinbach-Flerzheim Autorenlesungen statt, die die Kinder immer wieder begeistern und die Leselust anregen.
    Vor Ort bietet die KÖB auch stets die Möglichkeit Bücher auszuleihen.
  • Vorlesen und Anlesen
    Das Vorlesen ist in den Klassen schon Tradition. Die Kinder genießen das gemeinsame Erlebnis und es eröffnen sich neue Phantasie- und Denkwelten mit Hilfe der Literatur. Zukünftig werden in den Klassen Bücher des Öfteren nur angelesen. So entwickelt sich bei den Schülerinnen und Schüler eine Neugier im Bezug auf den Fortgang der Geschichte. Die Hürde, nach einem Buch zum selbstständigen Lesen zu greifen wird abgebaut.
    Ebenso wird im Schulvormittag wöchentlich einmal Zeit für die Vorstellung eines Buches durch die Kinder eingeräumt. Es darf ein Stück vorgelesen, der Inhalt zusammengefasst und eine persönliche Stellungnahme und Bewertung an die Klassenkammeraden weitergegeben werden. Ein Buchtipp von Kind zu Kind!
  • Bundesweiter Vorlesetag
    Seit 2006 nimmt unsere Schule jedes Jahr im November am bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen teil. Lehrerinnen und Mütter, Väter oder Oma und Opa lesen aus ihren Lieblingsbüchern vor. Die Kinder können vorher wählen, welches Buch sie gerne hören möchten. Immer wieder sind Vorleser und Zuhörer begeistert von diesen Stunden.
  • Bücherflohmarkt
    Im Rahmen des Vorlesetages werden auf einem Bücherflohmarkt Kinderbücher angeboten. Geplant ist der Tausch und Verkauf der eigenen ausgelesenen Bücher durch die Kinder der Grundschule. So entsteht eine Kommunikation über das Medium Buch, wobei Lesetipps weitergegeben werden können.

 

Flohkiste – Lesefitness

Ganz im Sinne einer individuellen Förderung orientiert sich das Floh-Lesefitness-Training Logo_FLOHam momentanen Leistungsstand jedes einzelnen Kindes und steigert kontinuierlich dessen Leseleistung. Sämtliche Leistungssteigerungen, also auch die der schwachen Leser müssen gebührend gewürdigt werden. Die Kinder sollen sich nicht untereinander vergleichen, sondern ihre eigenen Fortschritte erkennen und darauf aufbauen.
Von November bis Juni werden sieben Checks durchgeführt. Die Punktzahl des ersten Checks bildet den Ist-Stand. Die Kinder sollen sich dann von Check zu Check steigern und ihren individuellen Erfolg registrieren. Das gelingt, wenn sie motiviert werden, möglichst viel zu lesen.

Der Check besteht aus zwei Teilen:

  • Verständnis-Check
    Die Kinder lesen einen altersangemessenen, dem Leistungsstand der Klasse angepassten Text und beantworten anschließend Fragen zum Text.
  • Tempo-Check
    Aus einer Auswahl von Aussagen müssen in einer bestimmten Zeit möglichst viele richtige Aussagen herausgefunden und angekreuzt werden. Das Lesen zu Hause wird mittels Unterschriftenzettel der Eltern, die in Blätter für das Lesebaum-Poster umgetauscht werden, angespornt.

 

Unterstützung durch Partner

Seit dem Schuljahr 2008/09 unterstützen die Rotarier Rheinbach alljährlich das Lesekonzept unserer Schule mit ihrer Aktion „Lesen lernen – Leben lernen“.
Jede Klasse unserer Schule bekommt einen Klassensatz einer Ganzschrift mit dem entsprechenden Lehrermaterial zum Einsatz in der Schule geschenkt.

 

Lesenacht, Lesefeste, Projektwoche oder -tage

Projektwochen oder -tage werden in regelmäßigen Abständen zum Thema Lesen durchgeführt. Der zeitlich größer gesteckte Rahmen gibt zahlreiche Möglichkeiten mit dem Medium Buch vertraut zu werden und eine gestalterische Umsetzung von Gelesenem zu erreichen. Lesenächte oder -feste werden klassenintern veranstaltet.

 

Zusammenarbeit mit den Eltern – Tipps zur Förderung der Leselust

  • Ich greife selber mal wieder zum Buch und bin ein Vorbild.
  • Ich schaffe möglichst tägliche Lesezeiten (ca. 10 Minuten) zum selber Lesen und Vorlesen in einer ruhigen Atmosphäre.
  • Die Kinder dürfen die Bücher selber auswählen und auch einmal in Ruhe in einem Buch blättern und die Bilder anschauen.
  • Ich nehme mir Zeit zum Zuhören beim Erzählen und beim Vorlesen.
  • Mein Kind darf auch Bücher lesen, die mir nicht hundertprozentig gefallen.